Saatgut und Vermehrungsmaterial

Saatgut

Grundsätzlich ist die Verwendung von ökologischem Saatgut im Ökolandbau vorgeschrieben. Dies gilt auch für den Einsatz von Saatgut für reine Gründüngungszwecke oder für nachwachsende Rohstoffe (z.B. zum Einsatz in Biogasanlagen). Bei Nichtverfügbarkeit von ökologischem Saatgut ist es jedoch möglich eine Ausnahmegenehmigung für die Verwendung von nicht-ökologisch vermehrtem, ungebeiztem Saatgut zu erhalten.
Betriebe, die sich noch in der Umstellungsphase befinden, dürfen eigen erzeugtes Saatgut verwenden, ansonsten ist nur der Zukauf von Öko-Saatgut oder Umstellungssaatgut möglich. Nimmt jedoch ein bereits umgestellter Betrieb eine konventionelle Neufläche hinzu, darf von dieser Fläche im ersten Umstellungsjahr kein Saatgut gewonnen werden.

Bitte beachten Sie bei der Verwendung von nicht-ökologischem Saatgut folgende Grundregeln:

1. Konventionelles Saatgut kann nur eingesetzt werden, sofern, die gewünschte Sorte NICHT ökologisch vermehrt verfügbar ist.

2. Vor der Aussaat muss eine schriftliche Ausnahmegenehmigung aus der Internetdatenbank organicXseeds vorliegen.
Für bestimmte Sorten erteilten die Bundesländer "Allgemeine Genehmigungen", welche zwei Jahre gültig sind. Für solche Sorten muss eine Bestätigung aus der Datenbank ausgedruckt werden, die bescheinigt, dass die verwendete konv. Sorte, nicht in ökologischer Qualität verfügbar war. Eine weitere Genehmigung durch die Kontrollstelle ist nicht notwendig.
Für alle anderen Sorten ist eine Einzelgenehmigung durch die Kontrollstelle notwendig. Diese ist auf neun Monate befristet.

3. Die Nachweise aus der Datenbank sind zur Betriebskontrolle vorzulegen.

Der Zugang zur Datenbank erfolgt über den Benutzernamen (= ÖkoP Kundennummer) und ein selbstgewähltes Passwort (beim Erstzugang enspricht das Passwort Ihrer PLZ).
Bei Fragen oder Problemen im Umgang mit der Datenbank helfen wir Ihnen gerne weiter.
Für Betriebe, denen kein Internetzugang zur Verfügung steht, wickelt die Kontrollstelle das Antragsverfahren in der Internetdatebank ab. Dies kann in der Regel sofort telefonisch erledigt werden.

Basissaatgut
Die Genehmigung für die Verwendung von nicht-ökologischem Basissaatgut kann in Rheinland-Pfalz, Hessen und Sachsen-Anhalt direkt von der Kontrollstelle ausgestellt werden bzw. über die Internetdatenbank organicXseeds erfolgen.
In den weiteren Bundesländern muss eine Genehmigung der Behörde eingeholt werden. Antragsformulare dafür können direkt bei der ÖkoP-Geschäftsstelle bezogen werden.

 

Ausnahmegenehmigungen für die Verwendung von vegetativem Vermehrungsmaterial

 
Die EU-Verordnung Nr. 889/2008 schreibt die Verwendung von biologisch erzeugtem vegetativem Vermehrungsmaterial vor. Wenn auf dem Markt kein Vermehrungsmaterial in biologischer Qualität erhältlich ist, kann nach Art. 45 (1)b) nicht-biologisches vegetatives Vermehrungsmaterial verwendet werden.
Auf Länderebene wurden Regelungen getroffen, die zunächst bei Kernobst (Äpfel, Birnen, Quitten und Nashis) angewendet werden.
Eine Ausnahmegenehmigung kann nur beantragt und genehmigt werden, wenn alle der folgenden drei Bedingungen erfüllt sind:
• Der Bio-Obstbaubetrieb hat 12 Monate vor dem geplanten Pflanztermin eine Bestellung über die gewünschte Sorte bei einer Bio-Baumschule oder einem Zwischenhändler getätigt.
• Trotz termingerechter Bestellung können unerwartet keine Jungbäume, die den vereinbarten Mindestanforderungen entsprechen, geliefert werden.
• Die Nichtverfügbarkeit (bei anderen Baumschulen) für Bio-Jungbäume der gewünschten Sorte in den vereinbarten Qualitäten wird zum geplanten Liefertermin nachgewiesen (maßgebend: aktueller Stand der Angebotsliste der Bio-Baumschulen).

Der Antrag auf Ausnahmegenehmigung muss vor der Pflanzung mit den erforderlichen Belegen (Vorbestellbescheinigung, Ausdruck Verfügbarkeitsliste) bei der Kontrollstelle gestellt werden. Der Nichtverfügbarkeitsbeleg bei Antragstellung darf max. 14 Tage alt sein.
Detailregelungen finden Sie untenstehend als Download-Datei